20.05.2013

Umzug DB0AGI und LGBOX

Digipeater DB0AGI und Mailbox DB0AGM

Beide Systeme laufen auf einem Linux-Server bei mir im Keller. Da ich den Server auch für andere Zwecke nutze (Router, Firewall, Fileserver, DHCP, ...) hatte ich beschlossen, den Server auf die aktuelle Version Wheezy von Debian umzustellen. Der Server läuft seit ca. 1998 mit fortlaufenden Updates ohne grundlegende Systemumstellungen. Vorsichtshalber hatte ich vor dem Update von Squeeze auf Wheezy ein Backup des kompletten Systems vorgenommen.

Im Netz finden sich ausführliche Anleitungen zu Update, also los.

Nur leider hielt sich mein Server nicht an die Vorgaben, die in den Anleitungen zum Systemupdate beschrieben wurden. Beim aufräumen des Systems, also bei "aptitude -f install" hat er 80% der installierten Programme wegen fehlenden Abhängigkeiten löschen wollen. Bevor ich den Vorgang unterbrechen konnte, was es schon zu spät. Nix ging mehr.

Also Notfall-USB-Stick gebaut und den Server von dem Stick gebootet und nach einiger Mühe das System vom Backup wieder hergestellt. Dann andere Update-Anleitung ausprobiert. Ergebnis: wie oben. Nix ging mehr. Inzwischen hatte ich je Übung im Wiederherstellen des Sytems. Nur mein Bruder und seine Familie war etwas genervt, denn bei den Versuchen ging der gemeinsam genutzte Internetzugang nicht mehr. Dabei stellte sich dann auch noch heraus, dass bei ihm zwei ungeplante und unkonfigurierte DHCP-Server liefen, auf die sich die PCs dann natürlich anmeldeten, als der Server down war. Nachdem seine beiden W-LAN-Router umkonfiguriert waren, lief es dann wieder als ich den Server auf Originalzustand zurückversetzt hatte.

Nach einem halben Dutzend Versuchen gab ich es dann mit dem Update auf, denn das lange Vatertagswochendende war erfolglos vorbei.

Innerhalb der kommenden Tage beschloss ich dann, dass System komplett neu aufzusetzen, also alles neu zu installieren. Und wenn ich schon alles neu mache, sollte es auch gleich ein 64-Bit System werden. Den Server mit den Standardprogrammen neu aufzusetzen war tatsächlich in drei Stunden erledigt. X-Server, Router, Firewall, Fileserver und DHCP liefen prächtig. Nur der Amateurfunk-Kram wollte nicht.

Dummerweise haben die Jungs (und Mädels) von Debian nicht alle Konfigurationen im Standard-Kernel so gesetzt, wie es notwendig war. Also wieder eigenen Kernel bauen, mit der 64-Bit-Einstellung. War soweit auch kein Problem. Nach längerem Suchen im Netz fand ich auf FTP-Servern dann auch die benötigten Pakete für AX25, TFKISS, XNET, TNT und PDBOX. Alles Software, deren Entwicklung seit Jahren nicht weitergeführt wird. Diese Software ist quasi auf dem Stand von 2003 "eingefroren". Bis auf XNET waren alle Pakete in 64bit verfügbar bzw. ließen sich irgendwie noch kompilieren.

Wie bekommt man eine 32-Bit-Software in einem 64-Bit-Linux zum Laufen? Debian unterstützt mit Wheezy multiarch, der Trick ist "dpkg --add-architecture i386". Mit der Angabe i386 lassen sich dann die benötigten 32-Bit-Komponenten installieren. Soviel zur Theorie. Einige Abende und Wochenenden später lief dann tatsächlich die alte Software auf dem neuen System. Nur die DPBOX wollte nicht die alten Daten, die immerhin bis 1996 zurückreichen einlesen. Entweder meldete DPBOX Prüfsummenfehler (64bit-Variante) oder ließ sich nicht connecten (32bit-Variante). Im Internet gab es keine Hilfe zu den Problemen. Schließlich gab ich zunächst auf und ließ das alte 32-bit Squeeze weiterlaufen.

Beim gelangweilten Surfen im Netz stieß ich auf eine Seite, in der ein OM-Berichtete, er hätte seine AFU-Software in einer Virtuellen Box mit 32Bit-Debian in einem 64-Bit Hostsystem laufen. Das gab mir den entscheidenden Hinweis. Also nahm ich mit vor über Pfingsten die freie Software VirtualBox auf einem neu aufgesetzten 64-Bit Debian mit Wheezy zu installiert und irgendwie die alte Packet-Software in der Box zum laufen zu bringen. Die Virtualisierungsumgebung ließ sich schnell und einfach installieren und von einen CD-Image in einer neu erstellen virtuellen Box auch flott ein 32-Bit Debian installieren. Ich hatte ja schon Erfahrung, also neuen Kernel bauen (mit den Afu-Erweiterungen), TFKISS und AX25 Pakete besorgen und installieren, TNT zum Laufen bringen, DPBOX und XNET einrichten und am Ende die alten Daten von der Mailbox DB0AGM-5 importieren. Als Pfingsten fast vorbei war (Montag um 14:30 Uhr) lief es. Über Packet-Radio ist die neu aufgesetzte Box mit den alten Daten zu erreichen.

Auch wenn es kaum noch aktive Nutzer im guten alten Packet-Netz gibt, so hat es mich doch gereizt die 10 Jahre alte Software irgendwie wieder zum Laufen zu bringen. Viel Spaß den noch verbliebenen Usern von LGBOX!

73 de Christian, DC2HC

 

DB0AGM Mailbox

Die DB0AGM Mailbox ist ein an den Digipeater (digitalen Teil) von DB0AGM angeschlossenes Computer-System, auf dem ein amateurfunkspezifisches E-Mail-System läuft.  In den 80er Jahren, als die heute allgemein übliche E-Mail nur in Firmen der elektronischen Datenverarbeitung (beispielsweise IBM, ORACLE) zur internen Kommunikation existierte, haben Funkamateure mit Informations-Pakete vermittelnden Funksystemen (kurz Packet Radio) experimentiert.  Was heute E-Mail leistet, wurde per Funk realisiert. 

Nachdem Versuchsbetrieb in Verbindung mit gleichartigen Systemen in Peine und Hamburg bereits erfolgreich verlief, wurde 1988 der Mailbox-Betrieb mit dem Rufzeichen DB0AGM im 70 cm Band genehmigt.  Im Gegensatz zum Versuchsbetrieb muss kein Bediener anwesend sein, der die Station überwacht und der für die Mailbox verantwortliche Funkamateur ist nicht mehr für den Inhalt der Sendungen verantwortlich, sondern deren Verfasser.  DB0AGM kann so automatisch Nachrichten mit anderen Mailboxen austauschen, speichern und Anrufern zum Auslesen zur Verfügung stellen. Das können sowohl private Mails (von Rufzeichen an Rufzeichen) sein, als auch allgemeine Informationen (von Rufzeichen an eine Rubrik), beispielsweise eine Rundspruchmeldung.

Mit den Mailboxen DB0ERF in Erfurt und DK0MAV in Peine werden im sogenannten Store und Forward-Betrieb noch regelmäßig User-Mails, Bulletins und systeminterne Nachrichten ausgetauscht.  DK0MAV ist ein Partner seit Lizenzierung von DB0AGM.  DB0ERF ist Bindeglied zu weiter südlichen Stationen.